Die Werften.

Hamburg hatte (1956) viele Werften. Die bekanntesten Werften sind: die Stülckenwerft seit 1846. Die Deutsche Werft besteht seit 1914. Blohm & Voß wurde 1877 neben der alten Reiherstieg Werft gegründet und ist die größte Werft Hamburgs gewesen (und heute wieder).

Wenn ein Schiff gebaut werden soll, gibt der Reeder den Auftrag, daß es erst einmal gezeichnet wird. dann wird es in Miniatur gebaut und in der Schiffsversuchsanstalt ausprobiert. Auf der Werft steht eine große Halle, ihren Boden nennt man den Schnürboden. darauf zeichnet der Schnürbodenschiffsbauer viele Teile des Schiffes in ihrer richtigen Größe. Nach dieser Zeichnung bauen sie die Einzelteile aus Holz. Hiernach werden dann die stahlplatten zugeschnitten. In der Montagehalle werden diese Einzelteile zu größeren Schiffsteilen zusammengenietet oder geschweißt. auf der Helling wird das Schiff dann zusammengebaut. Die Helling ist eine riesige Betonplatte, die auf zahlreichen eingerammten Betonpfeilern ruht. Zum Wasser hin ist sie geneigt.

Stapellauf
Stapellauf

Wenn das Schiff soweit fertig ist, daß es schwimmen kann, wird der Rumpf gestrichen und das Schiff kann vom Stapel laufen. Auf den Werften baut man nicht nur neue Schiffe, sondern bessert auch andere Schiffe wieder aus. die Schiffe kommen dann in ein Schwimmdock oder Trockendock. Bei einem Schwimmdock werden erst die Luftkammern mit Wasser gefüllt, dadurch senkt es sich, so daß das Schiff hineinfahren kann. dann werden die Luftkammern wieder leer gepumpt, das Dock hebt sich und das Schiff liegt auf dem Trocknen.
Bei einem Trockendock jedoch, fährt das Schiff in ein mit Wasser gefülltes Dock, die Tore werden geschlossen und das Wasser rausgepumt bis das Schiff auf einer Unterkonstruktion in dem nun trockenen Dock aufliegt.


Stülcken Werft
Trockendock Brücke
Kersten-Miles-Brücke

 Die Seeräuberei.

In der Hansezeit entwickelte sich der Handel und die Schiffahrt erst richtig. Die Schiffahrt war damals durch Seeräuber sehr gefährdet und weil es noch keine deutsche Seemacht gab, bauten die Hamburger sogenannte Konvoischiffe. Die ersten waren "Leopold Primus" und "Wappen von Hamburg", mit je 54 Geschützen. Diese Schiffe fuhren unter Admiral Karpfanger. Er kämpfte gegen afrikanische Seeräuber und türkische und französische Kaperschiffe und verschaffte der Hamburger Flagge auf See Geltung. Karpfanger fand beim Brand seines Schiffes 1683 in Cadiz den Tod. Sein Standbild befindet sich an der Kersten-Miles-Brücke in der Holländer Allee. Außerdem befinden sich noch drei weitere Standbilder an der Brücke und zwar: Kersten Miles, Ditmar Koel und Simon von Utrecht

Konvoischiff
Konvoischiff "Wappen von Hamburg"
Der bekannteste Seeräuber in der Nordsee war "Klaus Störtebeker". Als Klaus von Wismar noch kein Seeräuber war, wurde er von Godeke Michels gefangen genommen. Als er dem Bund der "Vitalienbrüder", so nannten sich die Seeräuber, beitreten wollte, gab ihm Godeke Michels einen silbernen Becher mit Wein, den trank er mit einem Zuge leer und warf ihn dann über Bord. Seit der Zeit nannte man ihn "Klaus Störtebeker", was eigentlich "Klaus stürtz den Becher" heißt.
Störtebeker machte den Hamburgern viel zu schaffen und so fuhr Simon von Utrecht mit der "Bunten Kuh" aus ihn zu fangen. Durch den Verrat, von einem von Störtebekers Leuten, gelang es Simon von Utrecht, das Schiff zu kapern und ihn gefangen nach Hamburg zu bringen. Dort wurde er am 20. Oktober des Jahres 1400 (nicht 1402)auf dem Grasbrook enthauptet.
Er hatte um eine letzte Gnade gebeten, daß, wenn er enthauptet war, so viele seiner Gesellen frei werden sollten, an denen er noch ohne Kopf vorbeilaufen konnte. Er lief auch wirklich an mehreren vorbei und wenn man ihm kein Bein gestellt hätte, dann wäre er wohl noch an allen vorbeigelaufen. Dieses erzählt allerdings nur die Sage.
Elblauf 1200 Elblauf 1600
Der Elblauf um 1200 links und der Elblauf um 1600 rechts

Handel und Schiffahrt.

Der Handel mit Amerika fing schon 1782 an. Mit dem Handel wuchs auch die Zahl der Schiffe, bis 1788 waren es 150 in Hamburg beheimatete Schiffe, diese Zahl stieg bis 1799 auf 280 Schiffe.
Dieser aufblühende handel wurde 1806 durch die Kontinentalsperre vernichtet. Nach der Befreiung 1814 wurde der Hafen zuerst wieder aufgebaut, denn Hamburgs Wohlstand fällt und steigt mit seinem Hafen. Der entscheidende Aufstieg der Schiffahrt setzte 1850 ein. Seit der Zeit fehlt die Hamburger Flagge auf keinem Ozean.
Die bekanntesten Reedereien, die zum Aufstieg der Überseefahrten beigetragen haben waren Robert Slomann, der ab 1836 mit Segelschiffen fuhr,aber schon ab 1850 mit Dampfschiffen. das erste Dampfboot auf der Elbe war 1816 aber ein englisches.
Die Hamburg-Amerika-Linie/Hapag erfuhr unter Albert Ballin ihren Aufstieg. J.C.Godeffroy begann 1856 mit den Südseefahrten und 1851 mit C. Woermann zusammen die ersten Australien Fahrten. 1884 eröffnete Woermann die Afrika-Linie.
Um das Jahr 1855 hatte Godeffroy bereits 30 Segelschiffe und Slomann um 1870 20 Schiffe. Diese Reedereien standen an der Spitze.
Die größte Tankreederei ist die "Deutsch-Amerikanische-Petroleumgesellschaft". Die Reederei F. Laeisz ließ um 1900 die beiden bekanntesten und größten Segelschiffe, "Pamir" und "Passat" bei Blohm & Voß bauen. Die Pamir ist im Sturm gesunken und die Passat liegt als Museumsschiff in Lübeck.
Die bekanntesten Schnelldampfer wurden um 1900 gebaut. Es waren:"Augusta Viktoria", "Columbia", "Deutschland", "Kaiserin Augusta-Viktoria" und "Vaterland".
Nach dem ersten Weltkrieg mußten wir im Jahre 1918 unsere Schiffe abgeben. 1919 kauften wir einige zurück, so z.B. "Kap Polonia"(1914), "Resolut"(1914), und "Reliance"(1908).
Bei Blohm & Voß wurden die größten Schiffe gebaut. 1932-1938 u.a.: "Deutschland", "Albert Ballin", "Hamburg", "New York", "Milwaukee", "Cap Arcona", Monte Samiento", Monte Olivia" und 1930 "Europa". Auch nach dem zweiten Weltkrieg mußten wir viele Schiffe abgeben, aber wir kauften viele wieder zurück. Aber die "Europa" fuhr 1956 noch als französisches Schiff.
Albert Ballin prägte einmal das Wort: "mein Feld ist die Welt", das konnte Hamburg mit Recht immer für sich in Anspruch nehmen und auch jetzt wird es wieder so werden.
Zur Schiffahrt gehörte auch die 1880-81 erbaute Hamburger Seewarte auf dem Stindfang. man nannte sie die "umgekippte Kommode", weil sie an jeder Ecke ihres flachen Daches ein Türmchen hatte und sie darum so aussah als wäre es eine umgekippte Kommode. Im zweiten Weltkrieg wurde sie total zerstört und heute steht auf diesem Platz die Hamburger Jugendherberge.

Seewarte
Die Seewarte um 1905 ( umgekippte Kommode)

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